Jugendtreff IngersheimPionierbau aus vermeintlichem AbfallDas Projekt „Stuttgart 210“ erforscht das Upcycling von Schalungselementen des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Im Reallabor Ingersheim entstand daraus ein Jugendtreff mit skulpturalem Innenraum und elliptischer Holzhülle als Pionierbau aus vermeintlichem Abfall.Das Forschungsprojekt „Stuttgart 210 – weiterdenken, weiterbauen!“ ist ein Kooperationsprojekt der Hochschulen Stuttgart, Konstanz und Karlsruhe. Ziel ist es, Schalungselemente des neuen Stuttgarter Hauptbahnhofs stofflich zu erhalten und als Primärkonstruktion neuer Gebäude hochwertig weiterzuverwenden.Das Reallabor Ingersheim ist das erste von vier geplanten Pilotprojekten und wird künftig als Jugendtreff genutzt. Grundlage des Entwurfs sind Schalungen der Fußgängertunnel, aus denen ein skulpturaler Innenraum entstand. Eine eigenständige, elliptische Gebäudehülle aus Holz schützt die Schalungselemente vor der Witterung und ist Teil der architektonischen Inszenierung: Die besondere Geometrie und die Holzoberflächen erschließen sich erst beim Betreten des Innenraums.Charakteristisch ist auch der gemeinschaftliche Bauprozess mit breiter Unterstützung aus der Gemeinde, ehrenamtlichem Engagement von Handwerksbetrieben sowie einem zweiwöchigen Workshop mit 43 internationalen Studierenden des Masterstudiengangs Innenarchitektur an der HFT Stuttgart.Die wiederverwendeten Schalungselemente stehen auf Stahlbetonsockeln, übernehmen wesentliche tragende Funktionen und prägen sämtliche Innenoberflächen. Die äußere Hülle besteht vollständig aus naturbelassenem, reversibel verschraubtem Vollholz. Die Wiederverwendung der aufwendig gefrästen, dreidimensional geschwungenen Schalungen ermöglicht außergewöhnliche Architektur mit einem textil wirkenden Innenraum aus massivem Holz.Fertigstellung10/2024Planverfasser:in Prof. Andreas Kretzer (HFT) und Prof. Stefan Krötsch (HTWG) ARGE Andreas Kretzer, Stefan Krötsch, Roman Kreuzer, Katharina Raabe, Maximilian Stemmler HFT Stuttgart und HTWG Konstanz www.stuttgart210.deBauherrschaft Gemeinde Ingersheim vertreten durch die Bürgermeisterin Simone Lehnert Ingersheim www.ingersheim.de Die aufwendig gefertigten Schalungselemente des neuen Stuttgarter Hauptbahnhofs sollten als Sondermüll verbrannt werden. Doch im Rahmen eines Forschungsprojekts wurden sie gereinigt und als Bauteile für den Jugendtreff Ingersheim wiederverwendet. © Forschungsteam Stuttgart 210 Die ovale Gebäudehülle des Jugendtreffs Ingersheim lässt die Besonderheit des Innenraums nicht erahnen. © Bernhard Kahrmann Niedrige Eingangsbereiche bieten Sitzgelegenheiten und bereiten dramaturgisch auf den hohen und spektakulären Innenraum vor. © Achim Birnbaum Bänke auf der Südseite laden Kinder, Jugendliche, Spaziergänger, Fahrradfahrer und alle anderen zum Verweilen ein. © Achim Birnbaum Der Innenraum ist geprägt von der einzigartigen Geometrie der einstigen Schalungselemente. © Achim Birnbaum Der Firstversatz der Schalungselemente ist durch ein Oberlichtfenster inszeniert. © Achim Birnbaum Die Öffnungen ergeben sich aus der Kombination der Elemente und sind mit einem Lattenschleier verkleidet. © Achim Birnbaum Blick zum Sportplatz im Norden © Achim Birnbaum Innenraum mit Sonne von Süden © Achim Birnbaum Grundriss © Forschungsteam S210 Schnittfiguren in Längs- und Querschnitten © Forschungsteam S210 Fassadenschnitt © Forschungsteam S210 Sprengisometrie © Forschungsteam S210 Die Herstellung der Schalungselemente ist durch die Oberflächenstruktur dokumentiert. © Achim Birnbaum