LernwerkstattDer dritte Raum für Bildung und AnkommenAus leerstehenden Büros wird Zukunft: Die Lernwerkstatt schenkt bis zu 80 geflüchteten Jugendlichen einen Schulraum zum Ankommen und Lernen – mit einer flexiblen „Mitte“, starken Rückzugsorten und klarem nachhaltigen Gestaltungskonzept.Die „Lernwerkstatt – Fit in die Zukunft“ ist ein Bildungsort für geflüchtete Jugendliche mit kaum oder keiner Schulerfahrung. In einem Bürogebäude von Vector Informatik in Stuttgart-Weilimdorf wurden EG und 1. OG (ca. 1.200 m²) zu einer Schule für bis zu 80 Schüler*innen umgebaut. Das Modell ist zukunftsweisend: Vector stellt die Flächen fünf Jahre bereit, übernimmt Umbau und Planung als Bauherr und überlässt die Bereiche der Stadt Stuttgart mietfrei.Entwurfsleitend ist der „dritte Raum“: ein stabiler, geschützter Ort, der willkommen heißt, beschützt, fördert und fordert. Der Regenbogen steht für Hoffnung und Vielfalt – übersetzt in weiche Formen und eine natürliche, zurückhaltende Farbpalette. Herzstück ist die „Mitte“ als flexibler sozialer Anker mit Bewegungsmöbel, akustischer Vorhang und Sitzlandschaft. Differenzierungsräume bieten multisensorische Rückzugsorte; Flure werden zu Aufenthaltszonen. Im OG ergänzt die „kleine Mitte“ (Bewegung/Musik/Tanz) das Raumgefüge, Bibliothek und EDV-Raum setzen einen digitalen Zukunftsakzent.Nachhaltigkeit ist Rückgrat und Gestaltungsprinzip: Bauen im Bestand, Abbruch nur dort, wo nötig, sowie Re-Use & „Urban Mining“ (u. a. OWA-Deckenelemente, Leuchten, Bestandsmöbel). Neue Materialien wurden gezielt gewählt, z. B. europäisches Birken-Sperrholz und ein biobasierter Vinylboden. So verbindet das Projekt ökologische, ökonomische und soziale Wirkung – und macht Bildung als Schlüssel zur Integration räumlich erfahrbar.Fertigstellung09/2024Planverfasser:in Isabell Ehring, freie Innenarchitektin Isabell Ehring Stuttgart isabell-ehring.deBauherrschaft Vector Informatik GmbH Stuttgart www.vector.com in Zusammenarbeit mit der Stadt Stuttgart Referat Jugend & Bildung - Bildungspartnerschaften www.stuttgart.de Ankommen, ablegen, durchatmen: Der Eingang führt in die multifunktionale „Mitte“. Warme Birkenoberflächen, klare Struktur und kleine Nischen geben Halt und der Flur wird zur Bühne für Begegnung im Alltag. © Markus Guhl Flur als Lernlandschaft: Die Sitznische ist ein mobiles Element und kann flexibel versetzt oder entfernt werden. So passen sich Aufenthaltszonen schnell an - vom ruhigen Rückzug bis zur spontanen Begegnung. © Markus Guhl Die multifunktionale „Mitte“ ist das Herz der Lernwerkstatt: Bühne für gemeinsames Essen, Spiel, Feier, Elternabend. Akustikvorhänge zonieren je nach Bedarf und alles lässt sich von Kinderhand schnell verstauen und wieder frei räumen. © Markus Guhl Wandelbarkeit durch Ordnung: Großzügiger Stauraum und mobile Möbel halten Material, Spiel und Technik griffbereit und nach Gebrauch unsichtbar. So wird die „Mitte“ in Minuten frei: vom Gruppenraum zur Essenszone, vom Spielfläche zur Veranstaltung. © Markus Guhl Flexibilität nach Lust und Laune: weiche Sitzpoufs, eine lange Arena-Bank am Fenster und flexible Module schaffen niedrige Schwellen für Lernen, Dasein, Austausch und Pause. Die „Mitte“ ist der soziale Anker - spontan, robust und immer wieder neu bespielbar. © Markus Guhl Auch Lehrkräfte brauchen Ruhe: Die Pausenzone bietet Rückzug und Regeneration - mit Re-Use-Möbeln aus dem Fundus von Vector Informatik. Ein stiller Ort im Schulalltag, der Wertschätzung räumlich sichtbar macht. © Markus Guhl Re-Use und Urban Mining: Bestehende OWA-Decke als Ressource - repariert, ergänzt und neu beleuchtet mit Bauteilen aus leerstehenden Geschossen. Halbrunde, farbige Elemente brechen das Raster auf, markieren die wichtigsten Eingänge und geben Orientierung. © Markus Guhl Differenzierungsraum für individuelles Lernen: weich, ruhig, multisensorisch. Re-Use-Teppich aus leerstehendem Büro verbessert Akustik und Atmosphäre; die neue Treppe integriert den Fluchtweg, ohne den Schutzraum zu stören. © Markus Guhl Struktur, die trägt: Modulare Tische und großzügiger Stauraum ermöglichen schnelle Umstellungen, vom Unterricht bis zur Projektarbeit. Ordnung ist sichtbar und erreichbar, damit Schüler*innen Materialien selbstständig holen und verstauen können. © Markus Guhl Vorher: Bürotypologie pur. Neutrale, graue Oberflächen, technische Rasterdecke, keine Identität. Genau hier setzt die Transformation an: vom Arbeitsplatzgrundriss zum schützenden „dritten Raum“ für Bildung, der Spaß macht und Lebendig wird. © Isabell Ehring Grundriss EG: Vom neutralen, gemeinsam genutzten Eingang führt der Weg in den geschützten Schulbereich. Hier bildet die multifunktionale „Mitte“ das Herz für Alltag und Gemeinschaft. Der Unterricht liegt bewusst separat im gegenüberliegenden Lernflügel mit Klassen- und Differenzierungsräumen. © Isabell Ehring Grundriss 1. OG: Im geschützten Schulbereich öffnet sich eine „kleine Mitte“ für Musik,Tanz und Kreativarbeit, ergänzt durch Bibliothek und EDV als Zukunftsorte. Der Unterricht liegt - wie im EG - separat im Lernflügel mit Klassen- und Differenzierungsräumen. © Isabell Ehring